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Im Bann der Lilie (Teil 2), Carol Grayson

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Im Bann der Lilie (Teil 2) v. Carol Grayson

Marcel ist immer noch verschwunden, was den Marquis de Montespan schier verzweifeln lässt. Unermüdlich setzt er seine Suche fort. Durch einen britischen Spion erfährt er, dass Marcel an Bord der französischen Flotte ist und verdingt sich bei Napoleon als Feldarzt. Beim Kaiser der Franzosen entdeckt er das von Saint-Jacques und damit eine erste Spur ...
 

Wörter: 26.014, 68 S.

Inhalt: Dark Fantasy, Vampire, Fantasy, Kurzgeschichten

 

Leseprobe:

Marcel betrachtete den erschöpften Menschen, dessen ausgemergelter Körper schlafend vor ihm lag, mit einer Mischung aus Neugier und dem aufkeimenden Verlangen nach Blut. Die frischen Striemen waren unter dem zerfetzten, einstmals weißen Hemd deutlich zu erkennen. Von ihnen ging dieser metallisch-süße Duft aus, der ihn aufgeweckt hatte. Silvio lag auf der Seite und seine langen, dunklen Locken kringelten sich über das verschmutzte Gesicht bis hinunter zum Schulteransatz. Lange, dunkle Wimpern wie die von Marcel selbst verbargen die Farbe der Augen. Die Gesichtszüge waren ebenmäßig und fein. Ein leichter Flaum zeigte sich auf der Oberlippe, Anzeichen für die gerade erwachende Männlichkeit. Silvios Atem ging ruhig und regelmäßig. Was hielt ihn eigentlich davon ab, sich auf diesen Knaben zu stürzen? Mitleid? Hatte Julien etwa recht gehabt, als er ihn immer wieder damit aufzog, „zu menschlich zu denken“? Marcel kniete sich zu dem Menschen. Wie alt mochte er sein? Und warum wurde er so schlecht behandelt? Aber vor allem – wie mochte sein Blut wohl schmecken? Ganz sanft fuhr der junge Vampir mit seinem Zeigefinger über eine der frischen Wunden dicht am Halsansatz. Ein paar Tropfen quollen heraus und er kostete sie mit der Leichtigkeit eines Gourmets. Kostbar, wie edler Wein, dachte er. Dieser Knabe hier war von der Unschuld und der Schönheit eines Botticelli-Engels unter all dem Schmutz auf seiner Haut, davon war er überzeugt. Deshalb tat er etwas für einen Vampir durchaus ungewöhnliches: Er tauchte sein Taschentuch in eines der Fässer, die das Trinkwasser enthielten und begann, vorsichtig die Wunden des Jungen zu reinigen. Silvio schreckte hoch, als das kühle Nass seine Haut berührte und starrte erschrocken in das Gesicht von Marcel, der warnend seinen Zeigefinger vor die Lippen hielt und den Jungen anstarrte Mein Gott, hatte dieser blaue Augen! Fast wie die von Julien und sie bildeten einen so herrlichen Kontrast zu dem dunklen Haar! Saint-Jacques war völlig fasziniert.
„Wer seid Ihr?“, flüsterte der Junge jetzt.
„Nur ein blinder Passagier“, erwiderte Marcel. „Und nun dreh dich rum, zieh diesen Fetzen von Hemd aus und lass mich weiter deine Wunden versorgen.“
Der Knabe tat, wie ihm geheißen. Er war es gewohnt, Befehle entgegen zu nehmen.
„Wie ist dein Name?“, wollte Marcel wissen, während er weiter vorsichtig die Striemen mit dem feuchten Tuch reinigte.
„Silvio.“ Der Name kam fast schmerzhaft aus seinem Mund. Der Junge biss wieder die Zähne zusammen. Staffords hatte wirklich kaum eine Stelle ausgelassen.
„Ich bin Marcel.“
„Wie lange bist du schon an Bord?“ Automatisch war der junge Italiener in das vertraute „DU“ gefallen.
„Seit Cádiz“, log Marcel. Zuviel wollte er dem Fremden auch nicht verraten. Lieber lenkte er von sich selber ab.
„Du hast aber keinen spanischen Akzent“, bemerkte der Junge.
Kluges Kind. „Kein Wunder, ich bin Franzose“, gab er dann laut zu.
Silvio fuhr erschrocken herum.
„Ja, ja, ich weiß, der böse Feind. Hör zu, ich hab mit dem ganzen Kram nichts zu tun. Ich bin nur auf der Suche nach einem Freund, und der treibt sich ausgerechnet bei diesem General Napoléon herum“, maulte Marcel, unzufrieden über diese ganze Situation. Immer noch fragte er sich, warum er nicht einfach zubiss!
„Na ja, verhungern wirst du hier nicht“, lachte Silvio leise und deutete auf die Vorräte aus Trockenfisch und Konserven, die hier gestapelt waren.
„Hmm“, brummte Marcel nur und Wenn du wüsstest!, antwortete er in Gedanken. Woher würde er nun seine Nahrung beziehen, wenn er diesen Jungen verschonte?
„Morgen Abend werden wir in Neapel einlaufen. Dann will ich mich von Bord schleichen, wenn Staffords mit seinen Kumpanen durch die Hafenkneipen zieht. Die Ladung können wir sowieso erst am nächsten Tag löschen, wenn die Hafenarbeiter wieder da sind“, erzählte Silvio ihm jetzt seinen Plan.
„Vorausgesetzt, er lässt dich vorher hier heraus“, warf Marcel ein.
Er machte sich um den kurzen Aufenthalt in Italien keine Sorgen. Die Fracht für Neapel befand sich in einem weiteren Frachtraum im Vorschiff, diese würde erst am nächsten Morgen gelöscht werden und einige Unruhe auf dem Schiff auslösen. Marcels Kiste war für die Hafenstadt Abukir bestimmt und lag im hinteren Laderaum. Hier würde man höchstens die Wasserfässer austauschen, oder ein paar Lebensmittel herausholen.
Jetzt ging der Vampir noch einmal zu dem Wasserfass und tauchte das Tuch erneut hinein, um es danach Silvio zu reichen. Dieser war entsetzt, dass Marcel das kostbare Trinkwasser so verschwendete, sagte aber nichts. „Wasch dir wenigstens mal das Gesicht“, forderte der blinde Passagier den Schiffsjungen jetzt auf.
Silvio nahm das Tuch und fuhr damit über sein Antlitz, den Hals und die Arme. Anschließend wrang er es über seinem Kopf aus. Mehr als eine Katzenwäsche war nicht drin. Aber genug für Marcel, um zu erkennen, dass er sich nicht getäuscht hatte. Silvio war wirklich ausnehmend hübsch. Mit seinem Blick verfolgte er die Wassertropfen, die sich von den braungebrannten Wangen bis in den Haaransatz schlängelten und hinunter zu dem zarten Hals, dessen Schlagader den Lebenssaft verbarg, nach dem er gierte. Weiter hinunter über die haarlose Brust bis zum Bauchnabel. Ein seltsam ziehendes Gefühl machte sich in ihm breit. Es irritierte ihn, und so fuhr er mit einer belanglosen Frage fort: „Wirst du in Neapel erwartet?“
Der Italiener schüttelte den Kopf.
„Das nicht, aber ich kann mich wenigstens auf die Suche nach meinen Verwandten machen. Meine Mutter kam aus Italien. Deine Suche wird wohl noch ein paar Wochen länger dauern.“ Ein leises Bedauern lag in seiner Stimme, so als hätte er Mitgefühl mit diesem Fremden. Ein Mensch, der ihn seit langen Jahren wieder gut behandelte! Vielleicht endlich ein Freund?
Silvio hob plötzlich den Kopf und lauschte. Die Schiffsglocke oben an Decke verkündete gerade, dass es fünf Uhr morgens war. Es musste bereits dämmern. Eigentlich war es jetzt an der Zeit für ihn, seinen Dienst in der Kombüse anzutreten! 


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