Dunkle Gelüste v. Hanna Julian
Nackt und angekettet sitzt Sam im Kerker. Lady Dahlia versteht es, ihn bis an die Grenze seiner Belastbarkeit zu führen. Er vergisst beinahe, in welche Welt er gehörte, bevor er ihr Gefangener war.
Wörter: 7.340, 21 S.
Inhalt: BDSM, Domina, Züchtigung, Sklave, Erotik, erotische Geschichten, Kurzgeschichten
Leseprobe:
Wie zerschnitten fiel das Licht durch das kleine Kerkerfenster. Es bildete auf dem schmutzigen Boden einen hellen Fleck mit schwarzen Streifen. Den Mann in dem kleinen Raum interessierte nicht, ob draußen die Sonne schien oder ob wahre Sturzbäche aus dunklen Wolken zur Erde prasselten.
Sein Leben fand hier statt; all sein Sehnen, all seine Freude und all sein Schmerz. Vor allem sein Schmerz, den er herbeisehnte, um ihn als seine größte Freude entgegen zu nehmen.
Er starrte auf seine gefesselten Hände. Die Metallringe hatten tiefe Spuren auf seiner Haut hinterlassen. Doch schlimmer noch waren seine Fußgelenke durch die Fesselung zugerichtet, weil er, wann immer seine Gebieterin es von ihm verlangte, auf allen vieren ging und unter ihrem gestrengen Blick so lange kroch, bis die an der Wand befestigten Ketten ihn gewaltsam an einem Vorwärtskommen hinderten. Dann bekam er die Rute zu spüren, mit der die Herrin ihm in schneller Reihenfolge auf den Hintern klatschte, um ihn für sein Unvermögen zu bestrafen. Vor zwei Tagen hatte sie es sich zu eigen gemacht, den Krug mit Wasser an die gegenüber liegende Wand zu stellen. Er stand immer noch unberührt dort, obwohl die Kehle des Mannes völlig ausgedörrt war, doch ihn aus eigener Kraft zu erreichen war unmöglich. Der Mann kauerte in seinem Gefängnis und wartete; er wartete darauf, dass sie ihr hartes Spiel mit ihm fortsetzen würde.
Lady Dahlias Blick schweifte über die dunklen Wälder, die dem Schein der Sonne mit Leichtigkeit trotzen konnten und ihn nicht einließen in ihre undurchdringliche Welt. Ebenso wie diese Wälder war auch Lady Dahlia. Obwohl sich lichtblondes Haar über ihre Schultern ergoss und ihre Gesichtszüge wie die einer sanften Prinzessin anmuteten, waren ihre Gelüste doch so finster wie die schattenreichen Waldebenen.
Lady Dahlia stand gerne auf dem höchsten Turm der Burg und betrachtete die Welt aus diesem Blickwinkel. Ihre schlanke Hand strich über die steinerne Mähne einer Pferdestatue, dann über den Rücken des Tieres und schließlich umfasste sie mit der Hand den wohlgeformten Penis des Hengstes, der in aufgebäumter Haltung, kraftvoll und mit zugleich wundervoll zugänglichen Genitalien, angefertigt worden war. Dahlia ließ den harten Schaft zwischen ihren Fingern hindurch gleiten, dann zog sie ihre Hand fort, wandte sich ab und verließ den Turm. Es war an der Zeit, sich um ihren Gefangenen zu kümmern.
Als die Riegel vor seiner Tür zur Seite geschoben wurden, versuchte er, sich so gut wie möglich aufzurichten. Sie hasste es, wenn er kauerte; erst recht, wenn er es in der Nähe der Ecke tat, die er zum Wasserlassen benutzen durfte und die er trotz seiner Fesselung erreichen konnte. Einmal täglich führte sie ihn zu einem Abort innerhalb der Kellerräume, den er unter ihrem strengen Blick aufsuchte. Seine Herrin war gütig zu ihm! Er schuldete es ihr, so mannhaft aufzutreten, wie seine Situation es zuließ, und sie mit einem liebevollen Blick zu begrüßen, sobald sie ihm die Gnade ihres Besuches erwies – denn sie war seine Herrin, die er vergötterte. Allein ihr oblag es, ihn zu Boden zu zwingen, doch dafür musste er sich erst von selbigem erheben. Der Gefangene grub seine Fingerspitzen in die raue Steinwand, um sich selbst auf die Beine zu ziehen. Noch bevor sie die Tür geöffnet hatte, ließ er die Wand wieder los und stand auf eigenen Füßen, um nicht so erbärmlich auszusehen. Wenn sie ihn kauernd vorfand, bestrafte sie ihn, indem sie ihn genau inspizierte und dann einfach wieder ging, wenn sie erkannte, dass er sich nur gehen ließ. Er wollte jedoch nicht, dass sie ging. Er wollte ihre Aufmerksamkeit, die sie ihm mit harter Hand und Worten, die köstlich von ihrer Zunge peitschten, zukommen ließ. Ihr in die Augen zu sehen war gefährlich. So blau wie das Meer im Sonnenschein war deren Iris und so wie das Meer zu einer grauen Gefahr werden konnte, wenn der Sturm es unruhig machte, so sehr veränderte sich der Blick seiner Herrin, wenn sie mit ihm unzufrieden war.
Der Grad war schmal, der ihre lustvolle Bestrafung in Nichtbeachtung seiner Person wandeln konnte. Unberechenbar wie das Meer und ebenso geheimnisvoll und schön, so war seine Herrin.
Er schluckte, als ihr Blick ihn traf, und seine trockene Kehle brannte wie Feuer. "Herrin, seid willkommen!", sagte er, doch es war nur ein Krächzen, das er zustande brachte.
Sie ließ die Tür hinter sich krachend ins Schloss fallen, er zuckte zusammen.
"Du heißt mich willkommen? Dafür, dass ich mich zu dir in dieses Drecksloch begebe, erwarte ich mehr als einen kaum hörbaren Willkommensgruß."
Ihre Stimme klang tadelnd und auch ein wenig gelangweilt. Dies war eine gefährliche Mischung, denn wenn er es nicht schaffte, ihre Aufmerksamkeit zu erregen, würde die Tür ein weiteres Mal ins Schloss fallen, nachdem sie, ohne sich um ihn zu kümmern, wieder hindurch gegangen wäre.
"Verzeiht", stieß er rasch aus und ließ sich auf die geschundenen Knie sinken. Er kroch in dieser Haltung zu ihr, die rasselnden Ketten hinter sich her schleifend, dann beugte er sich hinab und küsste ihre ledernen Stiefel. Als er den Kopf wieder hob, griff sie ihm ins Haar. Sie schlang seine langen dunklen Strähnen um ihre Handfläche und zwang seinen Kopf in den Nacken, indem sie ihn nach hinten zog.
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Diesen Artikel haben wir am Mittwoch, 27. Januar 2010 in unseren Katalog aufgenommen.