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Liebe auf den dritten Blick, Karen Andres

  • Liebe auf den dritten Blick, Karen Andres

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Art.Nr.: 1022
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(PDF; weitere Formate: siehe unten)

Liebe auf den dritten Blick v. Karen Andres

Anna, 23, führt einen beständigen Kampf gegen Struwwelmähne, Übergewicht und die Silberfische in ihrem Wohnheimzimmer.
Statt in den Physikvorlesungen die Hieroglyphen von der Tafel abzumalen, betrachtet sie lieber verträumt den Hinterkopf ihres Kommilitonen Georg, der in der ersten Reihe jedes Wort mitschreibt und sich entschieden mehr für seine Bücher als für Frauen zu interessieren scheint.
Dementsprechend fallen ihre Klausuren nicht ganz so erfolgreich aus wie seine, was Georg gerne genüßlich kommentiert. Doch ob Anna durch bestandene Klausuren attraktiver für ihn wird als durch verstohlen geöffnete Blusenknöpfe? Kann sie ihn wirklich noch offener ermutigen, als sie es jetzt schon tut?
Annas Versuche, Georg endlich zu vergessen, bestätigen nur ihre These, daß alle Männer Schweine sind.
Warum nur muß ausgerechnet Ernst, der überhaupt nicht ihr Typ ist, so nett sein? Und warum lädt Georg sie plötzlich zum Candlelightdinner ein?


Wörter: 24.682, 59 S.

Keywords: Romance, Romantisch, Studentin, Liebe, Liebesroman

Leseprobe:

Diese Haare! Seufzend schüttelte Anna den Kopf. Warum konnten ihre Haare nicht ganz normal langweilig-glatt herunterhängen? Warum um alles in der Welt musste sie diese unbezähmbaren Locken haben? Und warum musste sie ausgerechnet heute, vor diesem lebenswichtigen Abend, wie Struwwelpeter aussehen? Fönen half nicht, und der extra starke Haarlack für besonders festen Halt ließ ihre Haare nur noch wilder zu Berge stehen. Und dabei wurde sie schon in einer knappen halben Stunde abgeholt, stand noch immer in Slip und T-Shirt vor dem Spiegel und fühlte langsam die Krise nahen.
Dabei hatte Anna eigentlich überhaupt keinen Grund, sich so aufzuregen – Georg würde sie sowieso nicht beachten. Er würde sicher lieber mit diversen Lehrern fachsimpeln, als sich zu den anderen Exschülern zu setzen. Aber er würde dort sein, und falls Anna ihm zufällig begegnen würde, dann durfte sie einfach nicht wie Struwwelpeter aussehen. Es half alles nichts, noch mal Waschen war angesagt. Vielleicht, überlegte sie, hatten ihre Haare ja doch noch ein Einsehen und würden sie erst am nächsten Tag nicht wieder zur Verzweiflung treiben.
Jetzt fehlte nur noch das neue rote Kleid, dann ... Im Schrank war es nicht. Ebenso wenig lag es auf dem Bett oder über einer Stuhllehne. Dies war einer der Momente, in denen Anna sich zutiefst wünschte, ihr Zimmer sei ein wenig aufgeräumter. Fünf Minuten später war klar: Wo auch immer das nur für diesen Abend gekaufte Kleid auch sein mochte, es war nicht hier, wo sie es auf der Stelle brauchte. Im Kleiderschrank fand sie nur Jeans, die einfach praktischer waren für die Uni. Da, endlich, in der hintersten Ecke die Rettung: ein schwarzer, langer, seit Ewigkeiten ausgemusterter Rock. Besser als Jeans allemal. Nach längerem Suchen entdeckte sie schließlich noch eine fast saubere, fast passende, fast knitterfreie Bluse.
In Windeseile schminkte sie sich, dann stand auch schon Sandra vor der Tür. Sandra war Anlaufstelle bei Liebeskummer, Lästerschwester und beste Freundin mit breiten Schultern zum Anlehnen und Ausweinen. Praktischerweise wohnte Sandra nur zwei Etagen über Anna im gleichen Studentenwohnheim. Da beide meist abwechselnd unglücklich verliebt waren, hatte Sandra im Moment ziemlich gute Laune.
„Gehst du heute als Wischmop?“, begrüßte sie Anna grinsend. „Hatten wir das nicht gestern schon?“
Anna musste lachen. „Kein Wunder“, lästerte sie zurück, „schließlich habe ich auch keinen Freund, der Friseur ist!“
„Von wegen!“, widersprach Sandra sofort. „Wir sind schon seit einem Jahr, sechs Monaten und elf Tagen nicht mehr zusammen!“
Anna seufzte leise. Wenn Sandra das noch so genau wusste, war sie wohl doch noch nicht über die Trennung hinweg.
Die Fahrt in ihre Heimatstadt dauerte eine gute Stunde. In der Aula ihrer früheren Schule entdeckten sie auf den ersten Blick keine bekannten Gesichter. Erst mal suchten sie sich eine freie Ecke an einem Tisch neben der Tanzfläche. Während sich beide immer wieder möglichst unauffällig umsahen und nebenbei das ein oder andere Glas Bier leerten, um die Schmetterlinge im Bauch ein wenig zu beruhigen, hörten sie mit einem Ohr ihren Tischnachbarinnen zu, die gerade über perfekte Partnerschaften diskutierten.
„Siehst du“, sagte Anna irgendwann halblaut zu Sandra, „bei denen ist alles geregelt – deren Lover haben sogar praktische Ex-Frauen, die für den Ex-Hund sorgen, damit der Ex-Mann sich amüsieren kann.“
„Warum sind wir nicht auch so dünn wie die?“, flüsterte Sandra zurück. „Dann hätten wir jetzt auch einen Mann!“
„Auf einen verheirateten Typen kann ich nun wirklich verzichten“, entgegnete Anna. „Meinst du nicht?“
Sandra meinte auch. Nachdem die Blonde ein Foto ihres Lovers aus dem Pseudolederhandtäschchen gezückt hatte, meinte sie sogar ganz entschieden.
Als sich einige Gläser Bier später noch immer kein interessanter Mann hatte sehen lassen, beschlossen die beiden, zur Theke zu wanken. Langsam begann Anna den Alkohol zu spüren – eigentlich wollte sie Sandra einen Männer-Witz erzählen, der ihr gerade eingefallen war, brachte aber vor Lachen keinen zusammenhängenden Satz mehr zustande. Sandra lachte mit, konnte sich dann aber doch ihren Kommentar nicht verkneifen: „Gehst du heute als Huhn? Oder warum gackerst du so?“
Anna bestritt heftigst, betrunken zu sein, und stolperte zum Beweis fast aus ihren ungewohnt dünn- und hochhackigen Schuhen. Jetzt gackerte auch Sandra.
Und dann sah Anna Gunter.
Gunter war Sandras Ex-Freund und Immer-noch-Herzallerliebster. Immer noch kichernd, zog Anna Sandra am Ärmel und zeigte in seine Richtung: „Schau mal da, nein, DA, dein Ex-Lover!“
Falls Sandra ihre Bemerkung kommentiert hatte, so hörte Anna es jedenfalls nicht mehr. Sandra stürmte auf Gunter los, Anna durch die entstandene Gasse hinterher. Kurz vor ihm bremste Sandra, Anna verursachte einen kleinen Auflaufunfall, dann sammelten sie sich und schlenderten wie zufällig weiter.
Gunter sah die beiden, winkte kurz und drehte sich wieder zu seinem Nachbarn. Sandra ließ sich davon überhaupt nicht stören, begrüßte ihren Ex-Freund freudig, versuchte sich in Smalltalk, und Anna kam sich ziemlich überflüssig vor. Nachdem Gunters Sätze immer einsilbiger wurden, gelang es ihr schließlich irgendwie, Sandra zur zweiten Theke weiterzuziehen, wo nur antialkoholische Getränke ausgeschenkt wurden. Hier war es deutlich ruhiger, so dass sie sich unterhalten konnten, ohne sich gegenseitig anbrüllen zu müssen. Gerade hatten sie das Thema „Männer sind Schweine“ gewählt, als Sandra aufschrie: „Aua! Sag mal, musst du mir eigentlich jedes Mal so auf den Rücken hauen?“
„Das war doch höchstens ein Begrüßungsrückenkraulerchen“, entschuldigte er sich, sichtlich bemüht, sich das Lachen zu verkneifen.
Georg.



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Diesen Artikel haben wir am Freitag, 04. Juli 2008 in unseren Katalog aufgenommen.


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