Sündhafte Küsse v. Inka Loreen Minden
Zwei vermeintliche Brüder, dunkle Geheimnisse und die wahre Liebe ...
Viscount Aidan Shevington wurde in seiner Kindheit Zeuge einer Tat, die das Leben seines jüngeren Bruders Julian grundlegend verändern könnte. Aber Lady Cathérine, die Mutter der beiden, zwang Aidan dazu, dieses Geheimnis für sich zu bewahren.
Jahre später, als die beiden Männer erwachsen sind, hat Aidan den Vorfall längst verdrängt und ist der festen Auffassung, dass Julian tatsächlich sein leiblicher Bruder ist. Selbst, als sie sich ineinander verlieben, erinnert sich Aidan nicht an das furchtbare Ereignis, denn er hat mit seiner eigenen düsteren Vergangenheit zu kämpfen.
Aber die Wahrheit kommt immer ans Licht ... und die ungleichen Männer müssen sich ihr stellen, ob sie wollen oder nicht.
Wörter: 33.935, 91 S.
Inhalt: Sex M/M, Erotik, gay, schwul, homoerotisch, historisch, gay romance, Abenteuer, Liebe, erotische Geschichten, erotische Literatur
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Leseprobe:
Nachdem Aidan und Julian die Kleidung gewechselt und zu Abend gegessen hatten, zogen sie sich in einen privaten Salon zurück, der Aidan auch als Arbeitszimmer diente, um sich fernab der Dienerschaft ungestört zu unterhalten. Die Brüder saßen in tiefen Ledersesseln vor einem prasselnden Kamin, wobei sich ihre Knie leicht berührten, da sie beide sehr lange Beine hatten. Prince lag hinter Aidans Sitz, die schwarze Schnauze unter den Pfoten versteckt. Manchmal gähnte er, knurrte im Schlaf oder änderte seine Position, aber sonst schien er sehr zufrieden zu sein.
Aidan lauschte seinem kleinen Bruder, der ihm überschwänglich sein Leid klagte, und ließ ihn dabei keine Sekunde aus den Augen. Er wusste nicht, wie lange Julian blieb, weshalb er jedes Detail in sich aufsaugen wollte, um sich später wieder daran erinnern zu können. Aidan fehlte seine Familie, doch er würde um nichts auf der Welt wieder nach London gehen. Das hektische Stadtleben und die vielen Menschen waren nichts für ihn. Zudem hatte es dort vor langer Zeit einen Vorfall gegeben, der ihm noch immer in den Knochen steckte.
„Mutter und Marianne schleppen mich auf jedes gesellschaftliche Ereignis mit, um mich unzähligen jungen Damen vorzustellen“, jammerte Julian. „Ich kann keine Opern, Bälle oder sonstige Veranstaltungen mehr sehen.“
„Das glaube ich dir“, sagte Aidan todernst. „Jetzt weißt du, warum ich mich hier ganz wohlfühle.“ Er angelte nach der Karaffe, die auf dem Beistelltisch stand, bevor er seinem Bruder etwas Brandy nachgoss. Der Kleine verträgt wohl nicht viel, grinste er in sich hinein, als er die roten Flecken auf Julians Wangen bemerkte. Mal sehen, wie trinkfest du bist, Brüderchen.
„Ich habe einfach noch kein Interesse an Mädchen und Heiraten und all so was“, fuhr Julian fort. „Ich möchte meine Freiheiten genießen, so lange ich kann.“ Er leerte das Glas in einem Zug und hielt es Aidan vor die Nase, der kommentarlos nachschenkte.
„Hast du schon mal ein Mädchen geküsst, Aidan, so richtig auf den Mund?“
Diese Frage überraschte den Lord. Es war lange her, dass sie über solche Themen gesprochen hatten. Da waren sie noch halbe Kinder gewesen. Aber bevor er etwas antworten konnte, sagte Julian: „Natürlich hast du. Du wirst bald dreißig, siehst gut aus, bist ein Viscount – die Frauen liegen dir sicher haufenweise zu Füßen. Du hast dich doch bestimmt schon nach einer Frau umgesehen, mit der du einen Erben zeugen möchtest?“
„Na ja ...“ Aidan kam einfach nicht dazu, etwas zu erwidern, aber daran war er gewöhnt. Er war schon immer der Ruhigere von ihnen gewesen, während Julian vor Energie nur so zu strotzen schien.
„Mutter wartet schon auf Enkelkinder, weißt du, und ich finde, dass du zuerst an der Reihe bist, schließlich bin ich sechs Jahre jünger als du.“ Julian stellte das leere Glas auf den Tisch und lehnte sich zurück. Er schien sich bei ihm wohlzufühlen, denn er kuschelte sich in eine Ecke des Sessels. Aidan bemerkte, dass sein kleiner Bruder immer noch diese lustigen Sommersprossen um die Nase hatte. Als sich Julian über die schön geschwungenen Lippen leckte, spürte Aidan ein Ziehen in seinem Unterleib, das er sich nicht erklären konnte.
„Mutter macht mich verrückt mit ihren Verkupplungsplänen. Ich muss mich echt erholen, ich bleibe bei dir, bis die Saison vorüber ist, also, falls du nichts dagegen hast.“ Julian blickte ihn mit seinen smaragdgrünen Augen eindringlich an, worauf Aidans Herz schneller schlug.
Verdammt, was ist heute nur los mit mir?, fragte sich der große Mann und fuhr sich unwirsch durchs Haar. „Wieso sollte ich etwas dagegen haben? Tatsächlich finde ich es ganz angenehm, ein wenig die Gesellschaft von einem Menschen zu genießen, der mir schon immer der liebste war.“
„Wirklich?“ Julians Augen strahlten. „Weißt du, du bist auch schon immer mein Lieblingsbruder gewesen.“
„Du hast ja nur einen Bruder, Strohkopf!“ So hatte Aidan ihn früher immer wegen seiner verstrubbelten blonden Haare genannt.
Julian lachte, und seine hellen Zähne blitzten auf. „Ich meinte ja auch im Gegensatz zu Marianne.“
„Sie ist auch deine Schwester“, grinste Aidan. „Ein Mädchen.“
„Ja, jetzt ist sie ein M ä d c h e n“, sagte Julian gedehnt, „eigentlich schon eine richtige Frau, aber erinnere dich an die Zeiten, als sie mit uns durch den Schlamm gewatet ist und auf Bäume geklettert. Mutter hat alles daran gesetzt, um aus ihr eine richtige Dame zu machen.“
„Und, hat sie es geschafft?“
„Ich befürchte ja. Sie ist genauso schlimm wie Mutter. Ständig lädt sie ihre Freundinnen zum Tee ein, nur um mich vorzuführen. Es ist einfach schrecklich.“
„Jetzt sind wir Männer ja unter uns“, kicherte Aidan, bevor ihm die Bedeutung seiner Worte bewusst wurde. Ja, Jul ist ein richtiger Mann.
Sein kleiner Bruder zog sich das Krawattentuch vom Hals, und Aidan konnte dessen entblößten Kehlkopf sehen. Er hätte bei den Frauen die allerbesten Chancen, überlegte der Viscount. Er sieht außerordentlich gut aus. Aidans Augen tasteten den jungen Körper ab, der ausgestreckt vor ihm lag, da Julian immer tiefer in den Sessel sank.
„Um noch mal aufs Küssen zurückzukommen“, lallte dieser leicht. „Wie funktioniert das eigentlich?“
Will er mir weismachen, dass er noch nie ein Mädchen geküsst hat?, wunderte sich Aidan. Ein warmes Gefühl durchflutete seine Brust. Plötzlich fühlte er sich dazu berufen, Julian ein wenig Nachhilfe in Sachen Liebe zu geben. Schließlich trug er als Oberhaupt der Familie auch eine gewisse Verantwortung für seine Geschwister.
Aidan räusperte sich und fühlte, wie ihm noch wärmer wurde, aber er schob es auf den Alkohol. „Na ja, zuerst musst du dir natürlich einen Ort suchen, wo ihr möglichst nicht überrascht werdet. Ein Kuss ist eine sehr komplizierte Sache, wenn du Pech hast und dabei erwischt wirst, musst du das Mädchen womöglich heiraten.“
„Das ist mir klar!“, stieß Julian hervor. „Und weiter?“
„Du stellst dich nah zu ihr hin, berührst ihren Arm, sagst ein paar nette Worte und machst ihr Komplimente über ihr Aussehen ...“, während Aidan erzählte, beugte er sich zu Julian hinüber. Dabei stützte er die Unterarme auf den breiten Lehnen von Julians Sessel ab, weil ihm leicht schwindlig war. Der Brandy stieg Aidan schneller zu Kopf, als er dachte.
„Was würdest du mir für Komplimente machen, wenn ich ein Mädchen wäre?“, fragte Julian leise.
„Du hast wunderschöne Augen. Sie glänzen wie Smaragde“, flüsterte Aidan.
Eine Weile starrten sie sich einfach nur an und verloren sich in den Augen des anderen, bevor Julian sich vorbeugte und Aidans Wangen umfasste. Theatralisch, mit einem spöttischen Zug um die Mundwinkel, seufzte er: „Und deine Augen leuchten wie Aquamarine, mein Herz.“
Plötzlich schien die Zeit stillzustehen. Nur das Prasseln des Feuers und das Ticken der Standuhr waren zu hören. Julian sah ihn ernst an und hauchte: „Funktioniert es so?“ Langsam, aber unaufhörlich, kamen Julians Lippen näher, bis sie zart über Aidans Mund strichen. Dieser wollte sich abwenden, doch er konnte nicht; er war wie gelähmt. Es fühlte sich herrlich an, wie vorsichtig Julians Zunge über seine Lippen fuhr, worauf er die Augen schloss. Es ist zu lange her ... Aidan spürte Julians heißen Atem und roch den Brandy, bevor er flüsterte: „Du bist ein Naturtalent, Jul.“
Julian wich ein Stück zurück, ohne seine Wangen loszulassen, und grinste frech. Durch Aidans Körper rauschte das Blut und schoss geradewegs in seine Lenden; der Puls klopfte ihm hart in den Ohren. Ich darf mich nicht in ihn verlieben, nicht in Jul. Er ist mein Bruder!
Mit verklärtem Blick meinte Julian: „Du bist ein guter Lehrmeister“, bevor er seine Lippen hart auf Aidans Mund presste.
Aidan entfuhr ein Stöhnen. Er ließ sich auf Julian fallen und vergrub seine Finger in dem weichen hellen Haar. Seine wachsende Männlichkeit drückte sich dabei gegen Julians Oberschenkel, wo er sich an ihm rieb, um das erregende Gefühl zu verstärken. Anschließend ließ er die Hände über Julians flache Brust gleiten, die sich unter der Kleidung schnell hob und senkte. Ohne zu überlegen, zerrte ihm Aidan den Stoff aus der Hose, um mit den Fingern darunterzufahren. Als er die warme glatte Haut berührte und die harten Brustwarzen liebkoste, spürte er Julians Hand zwischen seinen Beinen. Himmel, was machen wir da!, durchfuhr es Aidan schlagartig, während Julians Zunge immer wieder in seinen Mund schnellte. Sofort riss er sich von seinem jüngeren Bruder los und ließ sich rückwärts in den Sessel fallen. Aidan war zutiefst geschockt und verwirrt – er wagte es nicht, Julian anzusehen, bis dieser laut auflachte. „Verdammter Alkohol, was, Aidan? Du hast mich abgefüllt!“
„Vielleicht solltest du doch bald heiraten“, sagte Aidan rau.
„Niemals!“, grinste Julian verwegen und starrte Aidan auf den Schritt, wo sich eine beachtliche Beule abzeichnete. Sofort schlug der Lord die Oberschenkel übereinander und stützte seinen Kopf schwer auf eine Hand.
Schwankend kam Julian auf die Beine, um sich noch etwas Brandy nachzuschenken. „Greifst du den Frauen auch immer gleich an die Brust? Du bist ja ein Schwerenöter, Aidan!“
„Wir wollen mal nicht erwähnen, wo deine Hand war!“ Aidan lächelte schief. Er war erleichtert, dass sein Bruder diesen Vorfall als Spaß abtat. Ihm selbst stand der kalte Schweiß auf der Stirn, und sein ganzer Körper zitterte. Nur schwer konnte er sich wieder in den Griff bekommen. Aidan wusste schon lange, dass ihn Männer reizten, aber sein eigener Bruder? Kann es noch schlimmer kommen?, seufzte er innerlich. Erst Henry und jetzt Julian? Ich bin verflucht.
„Ich merke, großer Bruder, du hast das schon öfter gemacht!“
Aidan starrte in das Kaminfeuer, ohne ihm zu antworten. Wenn du wüsstest, Jul, wenn du nur wüsstest...
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Diesen Artikel haben wir am Freitag, 09. Januar 2009 in unseren Katalog aufgenommen.