Calla in Landluft v. Maren Frank
Calla ist jung, hübsch – und arbeitslos. Ihr ehemaliger Chef vermittelt sie als Sekretärin der Bürgermeisterin in die tiefste Provinz. Wunderliche Exemplare der Gattung Mensch bevölkern das beschauliche Dörfchen Eulenwinkel. Und während ihr in der Großstadt die Liebe nicht hold war, bietet ihr die frische Landluft männliche Prachtexemplare zuhauf.
Darunter den überaus charmanten und erfolgreichen Unternehmern Robert und ihren überraschend attraktiven Vermieter Leo. Wird Calla in der Landluft gedeihen?
Wörter: 37.354
Keywords: Romance, Romantisch, Liebesroman, romantischer Roman, Abenteuer, Liebe
Leseprobe:
Calla schielte zu dem ausgedruckten Fahrplan, den sie gut sichtbar auf dem Beifahrersitz platziert hatte. Langsam sollte mal ein Schild kommen. Sofern sie sich nicht verfahren hatte.
Statt eines Schildes tauchte hinter der nächsten Kurve eine winzige Ortschaft auf. Schmucke kleine Häuser, von denen jedes mindestens fünfzig Jahre alt war. Niedlich. Wie auf Opas Modelleisenbahn.
Sie parkte zwei Meter von einer Kuhweide entfernt, stieg aus und sprach einen Mann an, der wie ein Bauer aus dem Bilderbuch aussah. „Entschuldigen Sie bitte. Ich suche die Stadt Eulenwinkel, in welche Richtung muss ich dafür?“
„Gar keine.“ Er lachte. „Das hier ist doch Eulenwinkel. Also, herzlich willkommen. Wen wollen Sie denn besuchen?“
Opas Eisenbahndorf verlor schlagartig seinen Charme. Auch der Landluftduft, den sie eben noch als würziges, angenehmes Aroma empfunden hatte, bekam plötzlich eine andere Bedeutung. „Das hier ist Eulenwinkel? Nur diese paar Häuser?“
„Nee. Da hinten, da stehen noch mehr. Und wir haben ´nen schönen großen Markt, da können Se jeden Tag frisches Gemüse kaufen. Und Milchprodukte, die bring ich.“ Er lächelte sie an und warf sich in die Brust. Offensichtlich war er sehr stolz darauf, ein Milchbauer zu sein.
Nun, zumindest gab es noch andere Häuser. Immerhin bestand die kleine Chance, dass dies hier nur eine Art Vorstadt war. Eine sehr, sehr kleine Vorstadt. „Wo finde ich das Rathaus?“
„Einfach da runter.“ Er deutete nach schräg rechts. Eine Baumgruppe, die vielleicht der Beginn eines größeren Waldes war, denn sie war so dicht, dass man nicht hindurch sehen konnte, stand dort. „Können Sie gar nicht verfehlen.“
Bei der Übersichtlichkeit des Dorfes glaubte Calla ihm das aufs Wort. Sie bedankte sich und setzte sich wieder hinters Lenkrad.
Hinter der Tannengruppe sah sie wirklich sofort das Rathaus. Es war das höchste Gebäude, zwei Stockwerke und ein Spitzdach. Von der Größe her entsprach es einem Mietshaus.
Und im Gegensatz zum Frankfurter Rathaus fand sie hier nun sofort einen Parkplatz, noch dazu ohne Parkuhr. Das Innere des Rathauses war mit gut lesbaren Schildern bestückt, so dass man sich leicht zurechtfand.
Die Begrüßung durch die Bürgermeisterin konnte nicht anders als herzlich bezeichnet werden. „Ach wie schön, da sind Sie.“
Calla erwiderte den kräftigen Händedruck von Frau Lydia Apfelbauer. „Freut mich ebenfalls“, log sie. Sie konnte unmöglich in diesem Kaff bleiben. Am besten, sie sagte sofort, was Sache war. Halt stopp. Sie hatte keinen Job mehr und auch keine Wohnung. Bei dieser Erkenntnis hätte Calla in die hölzerne Schreibtischplatte beißen mögen.
„Ich bin ja so froh, dass mein Bruder Sie mir vermittelt hat. Lisa hilft mir zwar aber … nun, sie ist halt keine ausgebildete Sekretärin und das Tippen am Computer bereitet ihr ein wenig Probleme. Sind aber auch viele Tasten.“
Calla fand es sympathisch, dass Frau Apfelbauer ihre Sekretärin in Schutz nahm, obgleich diese anscheinend nicht sonderlich für den Job qualifiziert war. „Ab wann möchten Sie, dass ich anfange?“ Bis sie etwas anderes gefunden hatte, war es besser, diesen Job anzunehmen. Die Sprachkurse hatten ihr Erspartes heftig reduziert.
„Sofort.“ Frau Apfelbauer lachte, was die Fältchen um ihre Augen vertiefte und die Wangen noch runder wirken ließ, als sie ohnehin schon waren. Irgendwie war sie niedlich. Ein bisschen so, wie sie sich als Kind die gute Fee in Aschenputtel vorgestellt hatte. Auch die kleine, gedrungene Gestalt passte gut in dieses Bild. „Aber natürlich verstehe ich, dass Sie erst einmal andere Dinge zu erledigen haben. Zum Beispiel eine Wohnung zu beziehen. Ich hab da etwas ganz Zauberhaftes für Sie, wird Ihnen sicher gefallen.“
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Diesen Artikel haben wir am Samstag, 01. Dezember 2007 in unseren Katalog aufgenommen.