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Dem Verlangen ausgeliefert, Sigrid Lenz

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Dem Verlangen ausgeliefert v. Sigrid Lenz

Ein Team, das sich der Erforschung paranormaler Phänomene verschrieben hat, sucht eine Ruine in der Abgeschiedenheit des Waldes auf. Doch nicht nur die Natur wird durch Magie verzerrt, auch die Vergangenheit und ein längst vergessenes Geheimnis erwecken gestohlene Sehnsüchte und körperliche Leidenschaft.
Gefangen in einem Fluch, der nicht ihnen gilt, sind Anita und Carsten auf die Hilfe ihrer Kollegen angewiesen.

Wörter: 21.363, 64 S.

Keywords: Fantasy, Romance, erotische Geschichten, Kurzgeschichten, Liebe, Verführung

 

Leseprobe:

Carsten ließ sich auf das Sofa fallen und legte mit einem Seufzer die Beine hoch. Er war sich nicht sicher, ob eine Notwendigkeit für ihn bestand, wach zu bleiben, und er war sich erst recht nicht sicher, ob er überhaupt darüber nachdenken wollte.
Seine Umgebung, dieses Haus, alles erschien ihm mit einem Mal unendlich gemütlich, anheimelnd und sicher. Gerade so, als könne nichts Schlimmes an einem Ort wie diesem geschehen.
Sie befanden sich weit fort von allem, von allen Menschen und von allen Bedrohungen, die ihm wahrscheinlich erscheinen mochten. Warum also sollten sie diese unverhoffte Pause nicht nutzen? Wer sollte ihnen vorschreiben, etwas anderes zu tun?
Carsten schloss die Augen und lehnte sich zurück. Er merkte weder, dass er einschlief, noch wie er erwachte. Und doch drang plötzlich ein Geräusch in seine Sinne. Carstens Kopf lag schwer auf der Lehne des Sofas, und er schaffte es kaum, seine Augenlider auch nur ein kleines Stück anzuheben.
Der Raum war dunkel. Lediglich die kleine Lampe, die er am Abend angeschaltet hatte, leuchtete noch mit einem verschämten Schein unter ihrem Schirm hervor.
Es musste spät in der Nacht sein, Carstens Glieder fühlten sich taub an, und für einen Moment suchte er nach Orientierung. Wenn es bereits geregnet oder sogar gewittert haben sollte, so war dies geschehen, ohne dass er es wahrgenommen hatte. Carsten versuchte, sich zu rühren, doch seinen Bemühungen schlugen fehl. Und dann fühlte er eine Veränderung im Raum. Carsten spürte die Bewegung mehr, als dass er sie sah. Unfähig seinen Kopf anzuheben folgte sein Blick der Gestalt, die nur kurz erleuchtet wurde, als sie eine Tür öffnete, aus dieser hinaustrat, und sie umgehend wieder hinter sich schloss.
Dann huschte die Gestalt an ihm vorbei. Carsten hörte die Haustür aufklappen, und dann nichts mehr.
Lediglich ein Schwall kühler und regenfeuchter Nachtluft drang ins Haus. Kühl genug, um ihn aus seiner Erstarrung zu lösen.
„Anita?“ Endlich war Carsten in der Lage aufzustehen. Er schüttelte sich kurz, als könne die Bewegung seine Glieder von ihrer Taubheit befreien, seinen Verstand in Gang bringen.
Kaum war dies gelungen, so strebte er Anita hinterher.
Diese hatte sich nicht die Mühe gemacht, die Tür hinter sich zu schließen.
Carsten biss sich auf die Unterlippe, als er die Stufen vor dem Haus in einem Sprung nahm.
Überhaupt erschien es ihm ein Rätsel, was die Frau sich gedacht haben könnte. Einfach wegzugehen, ohne ihm Bescheid zu geben, war nicht ihre Art.
Es sei denn sie…
Carsten beschleunigte seine Schritte.
Obwohl er sie weder sehen noch hören konnte, lenkte ihn doch ein starker Verdacht in eben die Richtung, die sie beide vor nicht allzu langer Zeit zu der Kapelle im Wald geführt hatte.
Eigentlich sollte er sich kaum wundern.
Anitas Verhalten wies alle Anzeichen von Trance auf, genau der Trance, in die sie nur beim kleinsten Anzeichen einer unerklärten doch spürbaren Anwesenheit fiel.
Als warteten unzählige frei umher schwebende Geister nur darauf, dass sich eine Seele in ihre Nähe begab, die empfindsam genug war, um aufzunehmen, was sie ihr aufdrängten.
Zumindest versuchte Carsten, sich die Vorgänge auf diese Weise zu erklären, für sich allein im Stillen.
Zu seltsam kam es ihm doch vor, wenn Anita diesen leeren Blick aufsetzte, wenn sie zugleich mit ihrer, und doch auch mit einer anderen Stimme von Dingen sprach, die zu weit entfernt, zu lange zurücklagen, als dass irgendeiner von ihnen wirklich verstehen konnte, worum es dabei ging. Carsten gestand sich ein, dass er ein schlichtes Gemüt besaß. Spirituelle Höhenflüge reizten ihn ebenso wenig wie der Kontakt mit Wesenheiten, die nach seiner Meinung in ihrer Dimension nichts verloren hatte. Doch wenn sie sich dennoch in ihre Welt verirrten und begannen, dort Unruhe zu stiften, so nahm er sich gerne der Aufgabe an, ihnen den Weg zu weisen, und wenn nötig auch mit Gewalt. Das war seine Welt, einfach und gerade, ohne verworrene Träume, Geister oder Erscheinungen.
Und doch sah es gerade so aus, als sei er deren Zeuge. Carsten schnaubte ärgerlich auf und hastete vorwärts.
Seine Aufgabe blieb klar umrissen. Er würde feststellen, was mit Anita geschehen war, sie wenn nötig aus ihrem Wachtraum, ihrem Schlafwandeln, ihrer Besessenheit befreien, und zurückkehren zu ihrer eigentlichen Aufgabe.
„Verdammt“, fluchte Carsten, als er mit dem Fuß in einer Wurzel hängen blieb, und sich gerade noch davon abhalten konnte zu stolpern, indem er nach einem Baumstamm griff.
Glitschig fühlte dieser sich an, und durch den Stoß, den Carsten dem Baum versetzte, schüttelte dieser seine Blätter und ein Sprühregen ergoss sich über ihn, durchweichte seinen Pullover und durchnässte sein Haar.
„Na, super.“ Und von Anita immer noch keine Spur. Hatte sie überhaupt Schuhe an? Offenbar bewegte sie sich lautlos wie eine Elfe durch den Wald, und das wozu? Um ihn zu ärgern? Carsten schüttelte den Kopf, so dass die Tropfen in alle Richtungen stoben.
Die bleiche Sichel des Mondes warf ein nur mildes Licht über den Pfad, gerade genug, um direkt vor ihm aufragende Hindernisse erkennen zu können. Doch nicht genug, um Einzelheiten wahrzunehmen.
Carsten begann daran zu zweifeln, ob er sich auf dem richtigen Weg befand. Und doch war es ihm nicht möglich, einen anderen einzuschlagen, fühlte er, dass es die Ruinen der Kapelle waren, die ihn riefen.
Nein – verbesserte er sich. Sie riefen nicht ihn. Sie riefen Anita. Er folgte lediglich der Frau, deren Sinne empfindlich genug waren, um diesen Ruf zu vernehmen. Wenn er ihr denn folgte. Carsten erschauerte. Die Nässe drang durch seine Kleidung, und als sich eine Wolke vor den Mond schob, verminderte sich seine Sicht, bis er nur noch unsicher vorwärts tappte.
Doch dann, plötzlich und unvermittelt, öffnete sich der Wald. Und auf einmal war das Licht wieder da, flutete in milchigem Fluss über den ebenen Grund, der vor der Ruine lag.
Es erhellte die Blüten, die ihre Köpfe immer noch oder schon wieder geöffnet sich Carsten entgegen reckten.
Einen Augenblick nur, eine Sekunde zweifelte Carsten an der Richtigkeit dessen, was er sah. Einen Augenblick glaubte er zu träumen. Zu unsinnig, zu widernatürlich erschien ihm das Szenario.
Doch dann erblickte er Anita, die vor ihm aus dem Nichts auftauchte, aus den Blüten hervorging, als sei sie in deren Schatten verborgen geblieben, bis er sich zeigte.
Und doch bemerkte sie ihn nicht. Sie wandelte an den Sträuchern entlang, nahm hin und wieder eine der Blüten in ihre schmalen Finger, streichelte sie, als gäbe es keine Dornen, als bestünden die Blätter aus zartestem Samt.
Carsten blieb stehen, unbeweglich, gelähmt. Nur seine Augen folgten ihrem Schritt. In seinen Ohren erklang ein Flüstern, aus weiter Ferne, aus einer anderen Zeit.
„Gudrun“, flüsterte die Stimme, zuerst leise und lockend, dann fordernd, verlangend und mit wachsender Gier. „Gudrun.“
Und dann erst merkte Carsten, dass er es war, der den Namen flüsterte. Einen Namen, der ihm nichts sagte, mit dem er nichts anfangen konnte, und den er dennoch wieder und wieder aussprach, wisperte, hauchte, als hülfe allein der Klang ihm zu verstehen.
Und dann drehte Anita sich um. Zum ersten Male, seit sie das Sommerhaus verlassen hatten, sah sie ihn an. Ihre Lippen bewegten sich. Sie glänzten rot im Nebel, der sie wie Watte umgab, durchbrochen nur von den Konturen der Blüten, die in der Dunkelheit schimmerten wie kostbare Perlen.
„Dietrich“, hauchte sie. „Du bist gekommen.“
„Natürlich bin ich gekommen“, antwortete Carsten automatisch und wie aus weiter Ferne. „Du hast mich gerufen. Ich musste kommen.“
„Ich liebe dich“, flüsterte sie. „Egal was mit uns geschehen wird. Egal, was mein Mann mir androht. Ich kann nichts dagegen tun.“
„Ich weiß.“ Carsten durchmaß den Abstand zu ihr in raschen Schritten. „Es ist unser Schicksal. Wir sind ihm ausgeliefert, werden ihm immer ausgeliefert sein, solange bis der Tod uns einholt.“
Er umfing sie mit seinen Armen, und Gudrun seufzte, schmiegte sich an den starken Körper, der ihr den Halt bot, den sie suchte.
Dietrich küsste ihr Haar. „Ich bin für dich da. Ich schwöre es. Nichts wird unsere Liebe zerstören können. Keine Macht der Welt, keine Gewalt, keine Kraft, kein menschliches und kein übermenschliches Wesen. Bei Gott und allen Göttern schwöre ich es dir.“
„Und ich schwöre ebenso“, antwortete Gudrun und presste ihre Lippen gegen Dietrichs Brust.
„Bei allem, was mir heilig ist, bei allen Teufeln und Dämonen, die auf dieser Erde wandeln, schwöre ich, dass ich dich nie loslassen werde, dass wir uns immer an diesem Ort finden werden. Bis in alle Ewigkeit.“
„So soll es sein.“
Dietrich hob ihr Gesicht an und presste seine Lippen auf die ihren.
Gudruns Mund öffnete sich und sie ließ Dietrich von ihrer Süße trinken. Ihre Zungen tanzten den uralten und doch immer wieder neuen Tanz der Sehnsucht, die aufloderte, zu einer starken Flamme wurde, zur Leidenschaft.
Dietrichs Hände fuhren Gudruns Rücken entlang, suchten die Haken und Ösen ihres Kleides, schälten sie aus den Lagen des verblichenen Stoffes. Seide und Rüschen glitten zu Boden, als sie zusammen in ein Bett aus Blüten sanken, als ihre Leiber miteinander verschmolzen, keiner von ihnen angeben konnte, wo der eine anfing oder der andere aufhörte.
Seine Hände liebkosten die zarte Haut, erkundeten jeden Zentimeter der Geliebten, als spürte er sie zum ersten Mal, als lernten sie sich erneut kennen, obwohl sie sich doch seit Jahrhunderten vertraut waren.
Nur der Mond sah zu, als sie sich liebten. Und nur der Mond sah zu, als sie sich wieder trennten, als der Glanz in ihren Augen erlosch und einer dumpfen Leere Raum gab, die nicht weichen wollte.


 


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