Räubers Lust v. Inka Loreen Minden
Der junge William wird in einer gnadenlosen Hetzjagd vom Straßenräuber Blade verfolgt und schließlich gefangen genommen.
Was zunächst als simple Lösegelderpressung beginnt, wandelt sich schnell in Begehren, als sich zwischen den beiden Männern unerwartete Leidenschaft entwickelt. Bald ist nicht mehr sicher, wer Gefangener und wer Räuber ist.
Doch kann es eine Zukunft für die beiden geben? Schließlich stehen nicht nur die Häscher des Sheriffs, die den Räuber endlich gefaßt und gehenkt sehen wollen, einem glücklichen Ausgang im Weg, Blade verbirgt zudem ein dunkles Geheimnis...
Wörter: 8.367, 25 S.
Leseprobe:
Blade liebte seinen Unterschlupf in dem Baumwipfel. Eine hölzerne Plattform, die mit Fellen und Decken ausgelegt war, bot ihm ein bequemes Nachtlager, und das dichte Blätterdach schützte ihn vor Sonne, Regen und Wind. Zusätzlich hatte er noch eine lederne Plane angebracht, an der nun das Wasser abperlte.
Er lugte kurz über den Rand der Plattform, doch natürlich konnte er den Jungen in der Dunkelheit nicht erkennen. Dafür hörte er ihn umso deutlicher. Das Klappern seiner Zähne drang bis zu ihm herauf. „Verflucht!“, knurrte Blade, als er sich die Stiefel von den Füßen zog und das Hemd abstreifte. „Der Kerl macht mich noch wahnsinnig.“
Er schlüpfte unter die Felle und Decken, konnte aber einfach nicht in den Schlaf finden. Immer wieder schweiften seine Gedanken zu der bibbernden Gestalt. Er stellte sich vor, wie es wäre, wenn er jetzt da unten läge, frierend und allein. Ja, das Gefühl kennt das Bürschchen nicht, schoss es ihm durch den Kopf. Dafür kannte er es umso besser.
Brummend schälte er sich aus den Decken. „Ich tue das nur des Geldes wegen!“
Nachdem er einen Kerzenstummel entzündet hatte, konnte er in dem schwachen Licht die feinen Wölkchen seines Atems erkennen. Kurz entschlossen steckte er sich ein Messer zwischen die Zähne und schwang sich von der Plattform an den feuchten Ästen nach unten. Er kannte den Weg blind. Dann tastete er sich durch die Dunkelheit. Der Regen hatte stetig zugenommen, sodass der Boden unter dem jungen Mann und seine Decke schon recht feucht waren. Als er schließlich die zitternde Person berührte, zuckte diese zurück.
„Ganz ruhig, ich bin es nur!“
Im ersten Moment hatte Will geglaubt, ein wildes Tier würde sich über ihn hermachen. Abermals ließ er den Tränen freien Lauf, doch diesmal weinte er aus Erleichterung. Ihm war es nun völlig egal, ob es der Räuber mitbekam. William konnte nicht mehr, er war am Ende. Die Angst fraß ihn beinahe auf!
„Schon gut, Kleiner. Du schläfst heute Nacht bei mir.“
Er hörte ein schabendes Geräusch, als seine Fesseln durchtrennt wurden. Soll ich versuchen zu fliehen?, dachte er müde, doch er war zu keiner Tat mehr fähig. Sein träges Hirn hatte wegen der Kälte schon die Funktion eingestellt, er wollte nur noch schlafen. Außerdem würde ich nachts nie aus diesem unheimlichen Wald herausfinden.
„Na, komm, hilf mir ein bisschen“, brummte Blade, als sich dessen Hände unter seine Achseln schoben. William war kaum fähig, auf den Beinen zu stehen, dennoch schaffte er es irgendwie.
„Auf den Baum mit dir, na los, Jüngelchen, oder muss ich dich tragen?“ Blades Stimme troff vor Spott und schnitt Wills Stolz in Stücke.
Na warte, Räuberhauptmann, meine Zeit wird kommen, und dann werde ich lachen, dachte er und versuchte an den glitschigen Ästen Halt zu finden. Er spürte eine große Hand, die gegen sein entblößtes Gesäß drückte und ihn nach oben schob. Zuerst wollte er zischen: „Hände weg von meinem Arsch!“, doch einerseits reichte seine Kraft nicht zum Sprechen, andererseits fühlte es sich gar nicht so übel an. Diese heißen Hände dürften mich jetzt überall berühren, damit mir wieder warm wird.
Mit größter Anstrengung schob er sich auf die Plattform und erkannte im schwachen Licht einer Kerze, dass Blade hier wohl lebte. Ein paar Kisten waren an einer Seite befestigt, davor stapelten sich in Wachstuch eingeschlagene Bündel. In der Mitte der Ebene lagen Decken, auf die er erschöpft zukrabbelte. Dabei zog ihm Blade das Hemd über den Kopf. „Du musst aus den nassen Sachen raus, Junge.“ So gut er konnte, half Will dem großen Mann dabei, worauf ihm das Blut in die Wangen schoss. Jetzt war er nackt und auch sein Gegenüber trug nichts weiter am Leib als eine enge Hose.
Welch schönen Körper er hat. Will bewunderte einen Moment die Muskeln, die an der breiten Brust und den Oberarmen deutlich hervortraten, bevor er in das Nachtlager geschubst wurde. Blades Wärme hing noch darin und sein Geruch. Wild und animalisch hob er sich vom Duft der Tierfelle ab und Will nahm einen tiefen Zug. Ein Kribbeln machte sich in seinem Magen breit, das sich bis hinunter zu seinen Lenden ausbreitete.
Blade betrachtete den jungen Mann unverhohlen, der sichtlich darum rang, nicht auf der Stelle einzuschlafen. Kurz dachte er darüber nach, ihn wieder zu fesseln, doch gerade ging keine Gefahr von ihm aus. Ich darf ihn nicht unterschätzen, nur weil er so schlank ist. In dem jungen, sehnigen Körper steckt eine Menge Kraft. Er deckte den schlotternden Kerl zu, aber bevor er das Licht löschte, griff er in eine Tasche und holte einen Tiegel heraus.
Blade flüsterte: „Gib mir deine Hände.“
„Bitte, nicht wieder festbinden“, seufzte William. Erstaunt bemerkte er, dass der Räuber seine geschundene Haut mit einer duftenden Creme sanft massierte. Dessen dunkle Augen blickten ihn dabei seltsam an. Er hat seinen Bart abrasiert. Jetzt sieht er nicht mehr so gefährlich aus.
Im schwachen Schein der Flamme fiel Will eine tiefe Narbe auf, die sich unter Blades linkem Auge befand. Plötzlich kam ihm dieses Gesicht bekannt vor: die sanft geschwungenen Lippen, die hohen Wangenknochen, die dichten Wimpern ... an wen erinnert er mich nur?
Blades Frage brachte ihn jedoch davon ab, sich weiter darüber den Kopf zu zerbrechen. „Was hattest du in meinem Wald zu suchen?“
Wenn ich dir das sagte, würdest du mich nicht so umsorgen, dachte William. „Ich habe mich verirrt“, log er stattdessen.
„Das kommt mir sehr gelegen.“ Blade lächelte verschmitzt, wobei er seine hellen Zähne zeigte.
Ein Zucken ging durch Wills Hoden. Himmel, was ist nur los mit mir? Abrupt erwachten auch seine verschlafenen Lebensgeister wieder.
„Ein Bote ist schon unterwegs nach Staverton Castle. Der Lord wird noch heute Nacht die Nachricht erhalten, dass wir seinen Sohn nur gegen eine große Summe wieder freigeben.“
Sei dir mal nicht so sicher, ob mein alter Herr bei deinem Spiel mitmacht, ging es dem Adligen durch den Kopf.
Blade legte den Tiegel wieder zurück und steckte Wills Hände unter die Felle. „Und jetzt rutsch ein Stück, Bürschchen, ich hab nämlich keine Lust, mir den Arsch abzufrieren.“
„Ich hasse es, wenn du mich so nennst“, hörte Blade es murmeln.
Der Räuber löschte das Licht und kroch zu Will unter die Decken. Als sich ihre nackten Schultern berührten, zuckte er. „Du bist eiskalt!“
„Ach, tatsächlich?“, gab William sarkastisch zurück. Dennoch fühlte er sich schon sehr viel wohler. Blades Lager ist beinahe so gemütlich wie mein Bett.
Eine Weile lagen sie schweigend in der Dunkelheit. Blade lauschte dem Regen und hörte den Gefangenen dicht an seinem Ohr atmen. „Will, schläfst du schon?“
„Ja“, flüsterte er zurück.
„Hör auf mit dem Zittern und Zähneklappern.“
„Ich kann nicht. Mir will einfach nicht warm werden.“ Scharf sog William die Luft ein, als plötzlich eine große Hand um seinen Bauch griff und ihn an einen heißen festen Körper zog. Sein Gesicht landete an Blades nackter Brust, wo ihm der pure Geruch des Mannes in die Nase stieg. Seine Wange an der glatten Haut reibend, entkam ihm ein Stöhnen. „Warum tust du das?“
„Reiner Eigennutz“, hauchte die dunkle Stimme des Räubers an sein Ohr.
Will hörte dessen Herz wild in der Brust schlagen. Noch nie habe ich mich so geborgen gefühlt wie in diesem Augenblick. Ohne lange darüber nachzudenken, was er tat, schlang er einen Arm um Blades Hüfte und kuschelte sich an ihn.
Jetzt entkam dem Räuber ein kehliger Laut. Er spürte den Atem des jungen Mannes an seinem Hals und dessen Haar kitzelte seine Nase, als er das Gesicht darin vergrub. Seine Haut ist weich wie Samt, dachte Blade, während er mit der Hand an dem kühlen Rücken auf und ab fuhr. „Wird es dir langsam wärmer?“
„Mm hm“, brummte Will zufrieden. Seine Finger tasteten sich an den paarigen Muskelsträngen bis zu Blades Nacken herauf. Wie schön es wäre, wenn er etwas für mich empfinden würde, was über reinen Eigennutz hinausgeht.
Der Platz in Blades Hose wurde zunehmend enger. Verflucht, da liegt ein Kerl in meinen Armen! Ich sollte nicht solche Lust verspüren. Doch anstatt den Adligen von sich zu stoßen, konnte er die Hände nicht von ihm lassen. Er genoss die zögerlich-sanften Berührungen der Lippen, die langsam seinen Hals hinaufwanderten. Und noch etwas anderes genoss er: nämlich dass der junge Mann ebenso erregt war wie er selbst. Der Beweis drückte sich hart an seinen Oberschenkel.
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Diesen Artikel haben wir am Freitag, 05. September 2008 in unseren Katalog aufgenommen.